Eigene Erhebung · Stand September 2026

Barrierefreiheit gemessen: 82 von 85 Websites auf Rot

Wir haben 93 Websites mittelständischer Betriebe mit Onlineshop, Buchung oder Terminvergabe automatisiert nach WCAG 2.1 AA geprüft – 499 einzelne Seiten, mit derselben Prüfengine, die auch unsere Kundenberichte erzeugt. 85 Websites ließen sich auswerten. 82 davon hatten mindestens einen kritischen oder schwerwiegenden Verstoß. Diese Seite legt die Zahlen offen, samt Methodik, Grenzen und Zitiervorschlag.

82 von 85
Websites mit Ampel Rot – mindestens ein kritischer oder schwerwiegender Verstoß
49
betroffene Elemente je Website im Median (Spanne 0 bis 1.169)
72 von 85
Websites mit unzureichendem Farbkontrast – der verbreitetste Befund
499
einzeln geprüfte Seiten, bis zu fünf je Website

Wie gemessen wurde

Zahlen ohne Methodik sind Behauptungen. Deshalb zuerst der Rahmen.

Rahmendaten der Erhebung
MerkmalWert
Zeitraum der Prüfläufe26. August bis 5. September 2026
Websites angesetzt93
Websites ausgewertet85; 8 nicht ausgewertet, davon 6 nicht erreichbar (Bot-Schutz, Verbindungsfehler)
Seiten geprüft499, bis zu fünf je Website
SeitenauswahlStartseite plus die für den Geschäftsverkehr wichtigsten Unterseiten: Kategorie- und Produktseiten, Warenkorb oder Buchung, Kontakt, Impressum
Prüfengineaxe-core in einem echten Chromium-Browser (Playwright); Tagsets wcag2a, wcag2aa, wcag21a, wcag21aa
AmpelRot: mindestens ein Verstoß der Schwere „critical“ oder „serious“. Gelb: nur Verstöße der Schwere „moderate“ oder „minor“. Grün: keine Verstöße auf mindestens einer erfolgreich geprüften Seite
Auswahl der BetriebeBetriebe mit Online-Berührungspunkt für Verbraucher (Shop, Buchung, Terminvergabe) und Größenindizien oberhalb der Kleinstunternehmer-Schwelle; aus dem Münsterland, aus Potsdam und Brandenburg, aus Ostwestfalen-Lippe sowie einzelne bundesweit tätige Betriebe
BranchenMöbel und Küchen, Mode und Schuhe, Lebensmittel, Fahrrad und Sport, Apotheken, Hotels und Gastronomie
AnonymisierungDie Auswertung enthält weder Firmennamen noch Adressen. Veröffentlicht werden Muster, keine Betriebe

Eine automatisierte Prüfung deckt die maschinell prüfbaren Kriterien ab. Eine vollständige Konformitätsbewertung erfordert zusätzlich manuelle Prüfung. Die gemessenen Zahlen sind deshalb eine Untergrenze: Ob ein Alternativtext etwas taugt, ob ein Bestellablauf mit der Tastatur wirklich durchläuft, ob Sprache verständlich ist – das entscheidet kein Werkzeug.

Das Gesamtbild

Von 85 ausgewerteten Websites erhielten 82 die Einstufung Rot. Keine landete auf Gelb. Drei Websites blieben ohne messbaren Befund – und diese drei sind das nützlichste Einzelergebnis: Sie belegen, dass die Grundlagen für einen mittelständischen Betrieb erreichbar sind.

Die Spannweite ist groß: zwischen 0 und 1.169 betroffenen Elementen je Website, im Median 49. Die Zahl der Verstoßtypen je Website lag zwischen 0 und 9, im Median bei 3. Diese zweite Zahl ist für die Aufwandsschätzung die wichtigere: Befunde sitzen meist in Vorlagen. Ein Fehler in der Produktkachel erscheint auf jeder Kategorieseite erneut und wird trotzdem einmal behoben.

Welche Verstöße wie oft auftraten

Gezählt wird, auf wie vielen der 85 Websites eine Regel mindestens einmal verletzt wurde – nicht, wie viele Elemente betroffen waren. Eine Regel, die auf vielen Websites auftritt, ist ein Muster der Branche; eine, die auf wenigen Websites viele Elemente betrifft, ist ein Einzelfall.

Die vierzehn verbreitetsten Befunde (85 ausgewertete Websites)
BefundWebsitesAnteilElementeSchwereWCAG
Unzureichender Farbkontrast72 von 8585 %3.924serious1.4.3 (AA)
Links ohne erkennbaren Linktext50 von 8559 %1.101serious4.1.2 (A)
Bilder ohne Alternativtext27 von 8532 %459critical1.1.1 (A)
Links nur durch Farbe erkennbar23 von 8527 %498serious1.4.1 (A)
Schaltflächen ohne erkennbaren Namen19 von 8522 %102critical4.1.2 (A)
Zoomen der Seite blockiert13 von 8515 %65moderate1.4.4 (AA)
ARIA-Elemente ohne die erforderlichen Unterelemente12 von 8514 %84critical1.3.1 (A)
Auswahllisten ohne Beschriftung12 von 8514 %23critical4.1.2 (A)
Formularfelder ohne Beschriftung10 von 8512 %70critical4.1.2 (A)
Eingebettete Frames ohne Titel10 von 8512 %13serious4.1.2 (A)
Fehlerhaft aufgebaute Listen9 von 8511 %138serious1.3.1 (A)
ARIA-Attribute am falschen Element9 von 8511 %113critical4.1.2 (A)
ARIA-Beschriftung an Elementen, die keine tragen dürfen9 von 8511 %33serious4.1.2 (A)
Verschachtelte Bedienelemente8 von 859 %68serious4.1.2 (A)

Elf weitere Regeln traten auf jeweils höchstens fünf Websites auf, darunter Listenpunkte außerhalb einer Liste (212 Elemente auf 5 Websites), fokussierbare Elemente in ausgeblendeten Bereichen (146 Elemente auf 5 Websites) und Scrollbereiche ohne Tastaturzugang (4 Websites). Anteile gerundet.

Drei Familien, ein Muster

Die vierzehn Zeilen der Tabelle gehören zu drei Familien – und jede hat eine andere Ursache und einen anderen Weg zur Behebung.

Farbe und Gestaltung

Farbkontrast (72 von 85), Links nur durch Farbe erkennbar (23) und die Zoom-Sperre (13) sind Entscheidungen im Stylesheet, nicht im Inhalt. Helles Grau auf Weiß gilt als modern und liegt regelmäßig unter dem geforderten Verhältnis von 4,5:1. Die Korrektur sitzt an wenigen Stellen – meist in den zentral definierten Farbwerten – und wirkt sofort auf jeder Seite. Dass dieser Befund 85 Prozent der Websites trifft, macht ihn zum größten Hebel der ganzen Erhebung.

Namen für Bilder, Links und Bedienelemente

Links ohne Linktext (50), Bilder ohne Alternativtext (27), Schaltflächen ohne Namen (19), Auswahllisten und Formularfelder ohne Beschriftung (12 und 10), Frames ohne Titel (10): Es ist immer dieselbe Frage – wie heißt dieses Element für jemanden, der es nicht sieht? Die Lupe, das Warenkorb-Symbol, das Herz für den Merkzettel, die Social-Media-Icons in der Fußzeile. Vieles davon sitzt in Vorlagen und ist einmal zu beheben; Alternativtexte für Produktbilder sind Redaktionsarbeit.

Struktur aus dem Baukasten

ARIA-Elemente ohne Unterelemente (12), fehlerhafte Listen (9), ARIA-Attribute am falschen Element (9), verbotene ARIA-Beschriftungen (9), verschachtelte Bedienelemente (8): Diese Befunde schreibt selten jemand von Hand. Sie stammen aus Themes, Shopsystemen und Seitenbaukästen – Navigationen, Filterlisten, Slider, Akkordeons. Betroffen ist, wer die Vorlage benutzt, und behoben wird es in der Vorlage.

Was sich gegenüber der ersten Messung geändert hat – und was nicht

Im August 2026 haben wir eine erste Stichprobe von 40 Websites aus einer Region ausgewertet (Die häufigsten Barrierefreiheits-Fehler – 40 Websites gemessen). Mit mehr als der doppelten Stichprobe aus vier Regionen hat sich das Bild nicht verschoben:

Erste und erweiterte Stichprobe im Vergleich
KennzahlAugust 2026 (40 Websites)September 2026 (85 Websites)
Ampel Rot39 von 4082 von 85
Unzureichender Farbkontrast33 von 4072 von 85
Links ohne erkennbaren Linktext22 von 4050 von 85
Bilder ohne Alternativtext12 von 4027 von 85
Betroffene Elemente je Website (Median)3949
Verstoßtypen je Website (Median)33

Die Anteile sind fast auf den Prozentpunkt gleich geblieben. Das spricht dafür, dass die Muster nicht an einer Region hängen, sondern an der Art, wie mittelständische Websites heute gebaut werden.

Was diese Erhebung nicht zeigt

Keine Repräsentativität. 85 Websites, ausgewählt nach Online-Berührungspunkt und Betriebsgröße, sind keine Zufallsstichprobe. Wir schreiben deshalb „82 von 85 geprüften Websites“ und nicht „96 Prozent der deutschen Onlineshops“.

Keine Aussage über einzelne Betriebe. Die Auswertung ist anonymisiert. Jeder geprüfte Betrieb kann seinen eigenen Befund bei uns anfordern.

Keine rechtliche Bewertung. Ein Befund ist ein technisches Messergebnis, kein Verstoß im juristischen Sinne. Ob und wie das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz auf einen bestimmten Betrieb anzuwenden ist, beurteilen Anwältinnen und Anwälte.

Keine Vollständigkeit. Gemessen sind die maschinell prüfbaren Kriterien. Verständlichkeit, sinnvolle Fokusreihenfolge, die Qualität von Alternativtexten und die Bedienbarkeit realer Abläufe sind nicht enthalten. Eine Website mit null messbaren Befunden hat die Grundlagen erledigt – und ist damit weiter als 82 von 85.

Zitieren und weiterverwenden

Die Zahlen dieser Seite dürfen mit Quellenangabe zitiert werden. Vorschlag:

webpflicht.de (2026): Barrierefreiheit gemessen – 85 Websites mittelständischer Betriebe, automatisierte Prüfung nach WCAG 2.1 AA. Erhebung, Stand September 2026. https://www.webpflicht.de/erhebung-barrierefreiheit-2026.html

Die aggregierte Auswertung – ohne Firmennamen und Adressen, als Tabelle je Regel mit Websites, Elementen und Schwere – stellen wir Redaktionen und Forschenden auf Anfrage als Datei bereit. Die Erhebung wird fortgeschrieben; das Datum im Kopf der Seite nennt den Stand.

Die eigene Website messen

Wo Ihre Website in diesem Bild steht, zeigt eine Prüfung mit derselben Engine. Welche Verstöße dahinterstecken und in welcher Reihenfolge sich die Arbeit lohnt, steht im Ratgeber: die häufigsten Barrierefreiheits-Fehler, Farbkontrast prüfen, Alt-Texte für Produktbilder.

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