Kosten

Was kostet die BFSG-Umsetzung wirklich?

Auf die Frage nach dem Preis bekommen Sie im Markt entweder gar keine Zahl oder einen Tagessatz ohne Mengengerüst. Dieser Artikel zerlegt die Kosten in vier Blöcke, benennt die fünf Faktoren, die den Aufwand tatsächlich treiben, und legt offen, was wir selbst berechnen.

Aktualisiert am 26.08.2026

Lesezeit ca. 8 Minuten

Von Manuel Reichel, Geschäftsführer der MAP Handelsgesellschaft mbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Kosten bestehen aus vier Blöcken: Bestandsaufnahme, Behebung, Dokumentation und Laufendhaltung. Wer nur den zweiten Block einkauft, zahlt den vierten später doppelt.
  • Den Aufwand treibt nicht die Zahl Ihrer Seiten, sondern die Zahl Ihrer Vorlagen. Ein Shop mit 8.000 Artikeln in vier Templates ist billiger als eine 40-seitige Website, die über Jahre handgebaut wurde.
  • Der größte Hebel liegt bei Ihnen: Alternativtexte und Formularbeschriftungen sind Redaktionsarbeit, keine Entwicklungsarbeit. Wer sie selbst pflegt, spart den teuersten Posten.
  • Unsere Preise stehen weiter unten offen im Text: Erstscan kostenlos, Fix-Anleitung ab 490 Euro, Fix-Paket ab 990 Euro, Monitoring ab 49 Euro im Monat.
  • Was wir nicht beziffern: Ihr rechtliches Risiko. Das wäre Rechtsberatung, und die leisten wir nicht.

Warum niemand seriös eine Pauschale nennt

„Was kostet Barrierefreiheit?“ ist ungefähr so präzise wie „Was kostet ein Umbau?“. Die ehrliche Antwort lautet: Das hängt davon ab, was Sie haben – und das weiß vor der Bestandsaufnahme niemand, auch wir nicht.

Deshalb ist der Erstscan bei uns kostenlos. Nicht aus Großzügigkeit, sondern weil ein Angebot ohne Mengengerüst entweder für Sie zu teuer oder für uns zu knapp kalkuliert wäre. Erst wenn auf dem Tisch liegt, wie viele Regelverstöße welchen Typs über wie viele Vorlagen verteilt sind, lässt sich rechnen.

Wichtig zum Einordnen: Ein automatisierter Scan deckt die maschinell prüfbaren Kriterien ab. Ob ein Alternativtext inhaltlich sinnvoll ist oder ein Bedienablauf verständlich bleibt, kann kein Werkzeug entscheiden – das braucht Menschen. Für die Kalkulation heißt das: Der Scan liefert die belastbare Untergrenze des Aufwands, nicht die Gesamtsumme.

Die vier Kostenblöcke

Wer Angebote vergleicht, sollte sie in diese vier Blöcke zerlegen. Fehlt einer, fehlt er nicht in der Sache – nur in der Rechnung.

Die vier Blöcke und was sie jeweils umfassen
BlockWas dazugehörtTypischer Charakter
1. BestandsaufnahmeAutomatisierter Scan der wichtigsten Vorlagen, Priorisierung der Befunde, Aufwandsschätzung je Regeltypeinmalig, schnell, gut automatisierbar
2. BehebungKorrekturen im Quellcode: Templates, Komponenten, CSS, ARIA-Auszeichnung, Formulare, Fokus-Verhalteneinmalig, der eigentliche Kostenblock
3. DokumentationErklärung zur Barrierefreiheit (§ 14 BFSG), Feedback-Mechanismus, Nachweis über den Stand der Umsetzungeinmalig, klein, wird häufig vergessen
4. LaufendhaltungRe-Scans nach Releases, Prüfung neuer Inhalte und Plugins, Aktualisierung der Erklärungdauerhaft – und der Grund, warum Einmalprojekte verfallen

Block 4 ist der, der in Angeboten am häufigsten fehlt und in der Realität am meisten kostet. Eine Website ist kein Zustand, sondern ein Prozess: Jedes Theme-Update, jedes neue Plugin, jeder neue Artikel kann Verstöße einführen, die vorher nicht da waren. Wer einmal aufräumt und dann nichts weiter tut, hat nach zwölf Monaten typischerweise wieder Befunde – nur diesmal ohne Bestandsaufnahme.

Die fünf Faktoren, die den Preis treiben

Nach Sichtung der Befunde lässt sich der Aufwand ziemlich genau schätzen. Diese fünf Faktoren entscheiden – in dieser Reihenfolge.

  1. Anzahl der Vorlagen, nicht der Seiten

    Ein Verstoß in der Produktdetail-Vorlage ist ein Fix – egal ob 50 oder 50.000 Artikel daran hängen. Ein handgebautes Seitenkonvolut ohne gemeinsame Vorlage ist dagegen Einzelfallarbeit. Fragen Sie Ihre Agentur: Wie viele echte Templates hat die Seite?

  2. Qualität des eingesetzten Themes

    Themes unterscheiden sich stark. Manche bringen saubere Semantik und Fokus-Zustände mit; andere setzen durchgängig auf div-Konstruktionen mit Klick-Handlern, die für Tastatur und Screenreader unsichtbar bleiben. Im zweiten Fall ist die ehrliche Empfehlung manchmal der Theme-Wechsel statt der Reparatur – das sagen wir dann auch, bevor Kosten entstehen.

  3. Menge der Inhalte ohne Alternativtext

    Der häufigste Befund überhaupt. Technisch trivial, in der Menge aber teuer: Jedes Bild braucht einen inhaltlich sinnvollen Text, und den kann keine Automatik erfinden. Wer 3.000 Produktbilder ohne Alt-Text hat, hat ein Redaktionsprojekt, kein Entwicklungsprojekt.

  4. Individuelle interaktive Komponenten

    Konfiguratoren, Filter, Slider, Terminbuchungen, mehrstufige Checkouts. Alles, was Zustand hat und auf Eingaben reagiert, muss für Tastatur und Screenreader nachvollziehbar sein. Das ist der Teil, der echte Entwicklungszeit kostet – und der Teil, an dem Umsatz hängt.

  5. Zugang zum Quellcode

    Liegt das Projekt in einer Versionsverwaltung mit Staging-Umgebung, ist die Umsetzung Routine. Wird per FTP auf dem Live-System gearbeitet, kostet allein die Absicherung Zeit. Dieser Faktor wird fast immer unterschätzt.

Was Sie selbst machen können – und damit wirklich sparen

Ein erheblicher Teil der Arbeit ist keine Entwicklung, sondern Pflege. Wer diesen Teil im Haus erledigt, senkt die Rechnung spürbar – und zwar an der Stelle, an der externe Stunden am schlechtesten investiert sind.

  • Alternativtexte für Bilder. Ihre Redaktion weiß, was auf dem Produktfoto zu sehen ist. Eine Dienstleisterin weiß es nicht und müsste raten. Wie man sie richtig formuliert, ist schnell gelernt.
  • Verständliche Linktexte. „Mehr erfahren“ dreimal auf einer Seite ist ein Befund. „Versandkosten ansehen“ ist keiner. Das ist reine Textarbeit im Backend.
  • Sinnvolle Überschriften-Hierarchie in redaktionellen Inhalten – also keine Überschrift, die nur gewählt wurde, weil sie hübsch aussieht.
  • Dokumente. PDFs fallen häufig aus dem Blick. Wo es geht, ist eine echte HTML-Seite die billigere und bessere Lösung – die Begründung dafür und die Frage, welche Dokumente überhaupt erfasst sind, stehen in Barrierefreie PDFs im Shop.

Genau dafür gibt es unsere Fix-Anleitung: Wenn Sie ein eigenes Entwicklungsteam oder eine Stammagentur haben, brauchen Sie keine zweite Dienstleisterin im Code – Sie brauchen eine präzise Arbeitsliste. Was in Shopware und WordPress davon Backend-Pflege ist und was Code, steht im Artikel BFSG in Shopware, WordPress und WooCommerce.

Was wir berechnen

Wir halten Preise für eine Information, die auf die Website gehört, nicht in ein Verkaufsgespräch. Stand der Aktualisierung dieses Artikels gilt:

Unsere Konditionen im Überblick
LeistungPreisWofür geeignet
ErstscankostenlosBestandsaufnahme mit Ampel und priorisierten Maßnahmen. Ohne Bedingung, ohne Folgeverpflichtung.
Fix-Anleitungab 490 €Sie haben ein Entwicklungsteam. Wir liefern die konkrete Arbeitsliste je Befund – Datei, Stelle, Lösungsweg.
Fix-Paketab 990 €Wir setzen die Korrekturen im Quellcode um und dokumentieren den Vorher-Nachher-Stand.
Monitoring49 / 99 / 199 € pro MonatRegelmäßige Re-Scans, Meldung neuer Befunde, Aktualisierung der technischen Angaben Ihrer Erklärung.

„Ab“ heißt: Der Festpreis wird nach dem Erstscan genannt, bevor Kosten entstehen. Wenn die Befunde zeigen, dass es mit dem Einstiegspaket nicht getan ist, sagen wir das mit Zahl – und Sie entscheiden. Wenn ein Theme so gebaut ist, dass Reparieren teurer wird als Ersetzen, sagen wir auch das.

Drei Konstellationen, wie sie uns typischerweise begegnen

Die folgenden Fälle beschreiben Konstellationen, keine Durchschnittswerte – jede Website ist anders, und wir rechnen erst nach dem Scan.

Standard-Shop auf einem gängigen System

Vier bis sechs Vorlagen, ein verbreitetes Theme, Befunde überwiegend aus der Quick-Win-Kategorie: fehlende Alternativtexte, unbeschriftete Suchfelder, zu schwache Kontraste in der Sekundärfarbe, Fokus-Zustände nicht sichtbar. Hier liegt der Schwerpunkt auf Block 2, die Redaktionsarbeit übernimmt meist der Kunde, und das Einstiegspaket trägt den Fall.

Gewachsene Website mit Buchungsstrecke

Die Startseite ist unauffällig, die Buchungsstrecke nicht: eigener Kalender, eigene Schrittlogik, Fehlermeldungen nur farblich markiert. Der Aufwand steckt fast vollständig in einer einzigen Komponente. Solche Fälle liegen über dem Einstiegspaket, sind aber gut abgrenzbar – und die Buchungsstrecke ist der Teil, an dem Kunden abspringen.

Theme am Ende seines Lebenszyklus

Durchgängig unzugängliche Komponenten, kein Update-Pfad, jede Korrektur wäre ein Eingriff, den das nächste Theme-Update überschreibt. Hier ist die ehrliche Empfehlung, das Geld in den Wechsel zu stecken statt in Reparaturen. Wir sagen das im Report, auch wenn es gegen unser eigenes Fix-Paket spricht.

Wo bei diesem Thema Geld verbrennt

Drei Muster sehen wir immer wieder.

Eine Bedienschicht statt einer Korrektur. Widgets, die per Skript über die Seite gelegt werden, verändern den Quellcode nicht. Die messbaren Verstöße bleiben im Markup stehen und sind für Prüfwerkzeuge weiterhin sichtbar. Als monatlich laufende Kosten ohne Wirkung auf den Befund ist das der teuerste Weg. Wir bieten deshalb keine Overlay-Lösung an – auch nicht als Zwischenschritt.

Audit ohne Umsetzung. Ein umfangreicher Prüfbericht, der im Postfach liegt und nie zu Aufgaben wird, ist reiner Aufwand. Achten Sie darauf, dass ein Audit Befunde nach Aufwand priorisiert und in eine Arbeitsliste mündet.

Umsetzung ohne Laufendhaltung. Block 2 ohne Block 4 hält bis zum nächsten größeren Update. Danach beginnt die Bestandsaufnahme von vorn – und die ist beim zweiten Mal nicht billiger.

Was diese Zahlen nicht leisten

Zwei Einschränkungen gehören zu jeder Kalkulation in diesem Themenfeld dazu.

Erstens: Ein automatisierter Scan misst die maschinell prüfbaren Kriterien. Eine vollständige Konformitätsbewertung erfordert zusätzlich eine manuelle Prüfung – etwa der Tastaturbedienung in realen Abläufen oder der inhaltlichen Qualität von Alternativtexten. Wer Ihnen anhand einer Scan-Zahl den Gesamtaufwand nennt, rechnet mit einer Untergrenze.

Zweitens: Wir bewerten nicht Ihr rechtliches Risiko und beziffern es auch nicht. Das BFSG sieht Bußgelder von bis zu 100.000 Euro vor (§ 37 BFSG); ob und wie das in Ihrem Fall relevant wird, ist eine Rechtsfrage für eine Anwältin oder einen Anwalt. Was wir liefern, ist die technische Grundlage für diese Bewertung. Wenn bereits ein Schreiben vorliegt, hilft der Artikel BFSG-Abmahnung erhalten: Was jetzt zu tun ist bei der Reihenfolge der ersten Schritte.

Häufige Fragen

Gibt es Fördermittel für die Umsetzung?

Für Digitalisierungsvorhaben existieren je nach Bundesland und Programm Zuschüsse, die auch Barrierefreiheitsmaßnahmen abdecken können. Die Programme ändern sich häufig; die aktuelle Auskunft geben die Förderbanken der Länder und die IHK. Wir beraten nicht zu Förderrecht, liefern für einen Antrag aber die technische Aufwandsdarstellung.

Lohnt es sich, erst den Relaunch abzuwarten?

Wenn der Relaunch konkret terminiert ist, ja – dann gehören die Anforderungen in das Lastenheft, statt zweimal bezahlt zu werden. Ist der Relaunch dagegen nur eine Absicht ohne Datum, wächst mit jedem Monat der Bestand an Inhalten ohne Alternativtext, und die Redaktionsarbeit wird teurer statt billiger.

Warum ist der Erstscan kostenlos – wo ist der Haken?

Es gibt keinen. Der Scan läuft weitgehend automatisiert, kostet uns also wenig, und er ist die Grundlage, auf der wir überhaupt erst ein belastbares Angebot rechnen können. Sie bekommen den Report unabhängig davon, ob Sie danach beauftragen; eine Verpflichtung entsteht nicht.

Können wir die Umsetzung auf mehrere Etappen verteilen?

Ja, und in den meisten Fällen ist das sinnvoll. Der Report priorisiert die Befunde nach Schwere und Aufwand. Üblich ist, zuerst die Quick Wins über alle Vorlagen zu ziehen und die aufwendigen interaktiven Komponenten in einer zweiten Etappe zu bearbeiten.

Weiterlesen

Erst messen, dann rechnen

Der Erstscan liefert Ihnen das Mengengerüst, ohne das jede Kostenschätzung geraten wäre: Befunde nach Schwere sortiert, verteilt auf Ihre Vorlagen, mit Aufwandseinschätzung je Regeltyp. Wir beheben die messbaren technischen Verstöße nach WCAG 2.1 AA / EN 301 549 – im Quellcode, nachprüfbar dokumentiert.

Kostenlosen Erstscan anfordern

Dieser Artikel ist eine technische Einordnung und keine Rechtsberatung. Quellen: Gesetz zur Stärkung der Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen (BFSG), insbesondere §§ 3, 14 und 37; Barrierefreiheitsstärkungsgesetz-Verordnung (BFSGV); EN 301 549 in Verbindung mit WCAG 2.1. Alle genannten Preise sind unsere eigenen, zum Stand der Aktualisierung gültigen Konditionen.